Wissensproduktion und Aktienmarkt

Nun es ist schon bezeichnend oder besser demaskierend Wissensproduktion mit Aktienhandel zu vergleichen (siehe Response G. Reimann auf mein gestriges Posting). Vielen Dank für die klare Antwort (und auch dass meine Polemik nicht persönlich genommen wurde).

Klar geht es um systemische Änderungen. Selbstverständlich bringt  die/der WissenschaftlerIn  sein/ihr persönliches Engagement ein, das über die bezahlten Stunden hinaus geht. Nichtsdestotrotz verbleibt die Frage, ob es nicht  Aufgabe der Universitäten und Hochschulen wäre, die für die Publikation des erarbeiteten Wissens nötigen Ressourcen (Arbeitszeit für AutorInnen/ Publikation / Vertrieb) ebenso bereitzustellen wie jene für die Verwaltung des wissenschaftlichen Betriebes. Der gesellschaftliche Nutzen wäre dafür sicherlich höher als der der Verwaltung.

Ich vermute (Projekte wie Wikipedia legen das nahe), dass sich sehr rasch ein ebenso systematisches – nicht anonymes, informelles- Peer Review online entwickeln ließe, wie das im Printsektor der Fall ist. Die Auseinandersetzung und der wissenschaftliche Diskurs gehören ja schließlich auch zur Arbeit der WissenschaftlerInnen.Wissenschaftliche Anerkennung einer Arbeit (vor allem von jungen) wird durch anerkannte Wissenschaftler erteilt. Online so wie auch in Printausgaben.

Die Online Publikation ersetzt nicht immer eine Printversion (ich bin bibliophil). Dennoch könnte viel Papier gespart, die Verfügbarkeit erhöht und die Transparenz verbessert werden. Durch eine entsprechende systemische Anerkennung von Online Publikationen würden vermutlich auch Fehlentwicklungen wie die eines Rankings durch Google Erwähnungen eingedämmt.

Ich wage zu behaupten, dass die Besitzer von Aktien (AnlegerInnen) kaum das System des Aktienhandels durch den Besitz der Aktien verändern. Die damit verbundenen Werthaltungen und Belohnungen durch und innerhalb des Systems verhindern dies sehr effektiv (vgl Felber,Neue Werte für die Wirtschaft, Deuticke 2007). ich wage auch zu behaupten, dass die in der Wissensproduktion tätigen Menschen nicht vorrangig am Marktwert ihrer Person interessiert sind – daher hoffe ich drauf, dass es die inhaltliche und nicht die marktwirtschaftliche Argumentation sein wird, die eine Weiterentwicklung in diesem Sektor bestimmt. Allerdings bedeutet dies auch eine Änderung des Mediennutzungsverhaltens vieler WissensarbeiterInnen..:)

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Eine Antwort

  1. Analogien sind genau dazu da: Der Sache näher zu kommen, zu diskutieren, wo Parallelen sind und wo eben nicht, aber nicht ,sie gleichzusetzen. Insofern: Ziel erreicht ;-). Dass beim geschilderetn Problem die Hochschulen in der Pflicht sind (versus der einzelne Wissenschaftler), dem stimme ich zu! Doch ich habe nicht den Eindruck, dass hier bereits ausreichend Problembewustsein vorhanden ist.

    Gabi

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