Von grauer Literatur, zeitgeistigen Urheberartikeln und Guerilla artists

Ja wird sich mancher fragen, was hat das denn alles miteinander zu tun. Auf den ersten Blick nichts. Danach gibts vielleicht eine Reihe möglicher Assoziationen. Der Hintergrund ist schlicht: ich hab mal wieder Zeit gehabt meine Bloglines-Feeds zu lesen.Auf einiges möchte ich hier hinweisen:

Gabi Reinmann greift in ihrem Blog den Widerspruch von rascher Online Publikation von Forschungsergebnissen (graue Literatur) als „Open Content“ und der Printpublikationen in Fachjournalen oder Büchern (in der „Wissenschaft“ anerkannte Publikationsform) auf. Hin und her gerissen ist sie da zwischen dem aus der Praxis stammenden Wunsch als Wissenschafterin (vermutlich aber auch als interessierte Person) rasch über neue Forschungsergebnisse informiert zu sein und diese auch ebenso rasch nutzen zu können sowie auf der anderen Seite die Anforderungen zur Verwertung der Publikation in der akademischen Laufbahn. Klar doch, dass Verlage sich nicht bereit erklären die Kosten einer Veröffentlichung zu tragen, wenn der Beitrag eh schon verfügbar ist. Da treffen schlichtweg persönliche Interessen (der AutorInnen/HerausgeberInnen/Verlage) auf gesellschaftliche Interessen (gesellschaftliches Wissen als kulturelles Allgemeingut). Bei mir taucht daa gleich zuerst wieder die Frage auf: Forschungsergebnisse stammen zumeist aus der Tätigkeit an einer aus Steuergelder der Allgemeinheit finanzierten Uni oder Hochschule. Warum werden diese Forschungsberichte nicht schlichtweg unter Creative Commons Licence auf der Homepage der Institution publiziert und dort zur Diskussion gestellt? Ergibt sicherlich mehr Review als das Gegenlesen von einzelnen vom Verlag/HerausgeberIn bestellten Wissenschaftern. Jedenfalls mehr Transparenz. Wäre auch interessant, wer da welche Kommentare dazu verfaßt. Aber das brächte keine Nutzungsrechte/Förderungen für Verlage und AutorInnen.

Gabi Reinmann sucht nach einer Lösung. Mal sehen wie weit sie sich da selbst im Wege stehen muss.

Unser Urheberrecht wurde ja zur Vermarktung gemacht. Das fiel mir gleich beim nächsten Beitrag auf: netzpolitik.org verweist auf einen sehr kurzsichtigen Kommentar von Marcus Rohwetter in der „Zeit-Online“ über die urheberrechtlichen Auseinandersetzung um „You Tube“. Da wird eben wieder verdeutlicht, dass das Urheberrecht nur zum Handel und nicht zum gesellschaftlichen Diskurs taugt. Es geht um eine vermarktbare und nicht soziale Wissensgesellschaft. Gegenmodelle unerwünscht.

Die Stimmung ging noch mal runter als ich – verspätet – in Heise online las, dass ev. mein soeben gekaufter Laptop mit einer Nvidea Karte bestückt ist, die möglicherweise durch einen Baufehler bald mal den Geist aufgibt (Wegwerfen statt Nachhaltigkeit in der Produktion).

Dafür hat sich das Feeling geändert als ich im MedienABC von Sigrid Jones über die Guerilla Artists Projekte der Designerin Keri Smith las. Nun dazu möcht ich nur eins sagen – schaut euch das selbst an. Das ist Medienbildung vom Feinsten.

Bloggen ist jedenfalls situatives Lernen. Warum im Unterricht jede Menge Zeit für lineare Lernprozesse vergeudet wird frag ich mich auch schon lange. „Adler brauchen keine Treppen“ hat schon Celestine Freinet vor etwa einem Jahrhundert im Hinblick auf die Lernprozesse der Kinder festgestellt. Vielleicht hätt er statt Büchern Blogs geschrieben, dann wärs vielleicht auch schon verbreiteter – was bliebe wär sicherlich der immer noch andauernde Konflikt mit der Kommerzialisierung des Bildungswesens…womit wir wiederum am Anfang dieses Beitrags wären.

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3 Antworten

  1. Nein, Wissenschaftler stehen sich da nicht „selbst im Wege“, sie stehen in einem System, das mit geändert werden muss, wenn sich persönliches Verhalten ändern soll. Das ist wie mit Anlegern, die Aktien kaufen: Die Leute kaufen das, wenn sie Geld damit machen können; vor allem wenn es sauer Erspartes ist, sieht man nicht ein, warum man es ungünstig anlegen sollte; dass damit aber ökonomische Entwicklungen hin zu AGs ohne personale Verantwortung Einzelner (wie im Mittelstand) entstehen, das kann man nicht beoi jeder persönlichen Entscheidung in vollem maße mit berücksichtigen. Wer im Wissenschafstbetrieb nicht untergehen will, muss sich wie die Anleger verhalten – und kann allenfalls mitarbeiten, das System zu verändern. Und Wissensarbeit an einer Universität, das ist nicht nur vom Staat bezahlte normale Arbeit, sondern natürlich oft auch persönliches Engagement zu den unmöglichsten Zeiten und lässt sich keineswegs immer nur auf die „bezahlte Arbeit“ zurückführen. Dazu kommt, dass wir alle auf Verlage mit professionellem Design und Lektorat nicht verzichten wollen. Was ich sagen will: Einfache Antworten sind hier schwierig, selbst eine eindeutige Einschätzungen des Problems ist meist nur dann möglich, wenn man kompliziertere Aspekte auf den ersten Blick außen vor lässt. Und so lange das „Peer Review“ im Netz mit seinem eher informellen Charakter mit dem systematischen Peer-Review nicht mithalten kann, so lange kann man keinem (vor allem jungen) Wissenschaftler genau das raten: sich dem systematischen Peer-Review zu entziehen! Selbst dann nicht, wenn man die Situation an sich nicht gut findet, weil sich hier Individualinteressen und übergreifende Interessen (und nicht die Wissenschaftler selbst) im Wege stehen. Die Lösung aber muss eine systemische sein; alle anderen Forderungen sind immer irgendwem gegenüber ungerecht.

    Soweit eine kurze Antwort. 🙂

    Gabi

  2. […] schon bezeichnend oder besser demaskierend Wissensproduktion mit Aktienhandel zu vergleichen (siehe Response G. Reimann auf mein gestriges Posting). Vielen Dank für die klare Antwort (und auch dass meine Polemik nicht persönlich genommen […]

  3. Danke für die Blumen!

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